Siemensstadt Berlin eine Arbeitersiedlung als Weltkulturerbe

Die deutsche Hauptstadt Berlin stellt ein Eldorado für Freunde der Architektur dar: Unzählige interessante Gebäude aus den verschiedensten Epochen können besucht werden. Ein besonderes Highlight ist die Siemensstadt, eine von sechs Siedlungen der sogenannten Neuen Moderne. Diese Wohnviertel, die zwischen den 1910er und den 1930er-Jahren erbaut wurden, waren ein Meilenstein in der Architekturgeschichte.

Lebenswerte Siedlungen für Arbeiter

Ende des 19. Jahrhunderts so wie zu dessen Anfang war in vielen deutschen Großstädten die Wohnsituation für Arbeiter dramatisch. Aufgrund der Industrialisierung waren Millionen Menschen von ländlichen Gebieten in die Metropolen gezogen, um dort Arbeit zu finden. Es fehlte jedoch Wohnraum, die Verhältnisse waren beengt. Zwar wurden nach und nach viele Wohnblöcke gebaut, aber diese standen sehr dicht beieinander: Es war grau und schmutzig. Diese Missstände waren Ansporn für Architekten wie Bruno Traut und Martin Wagner, lebenswerte Alternativen zu entwerfen. Nach ihren Plänen entstanden über zwei Jahrzehnte hinweg sechs Siedlungen, die über ganz Berlin verteilt sind. Die Bekannteste davon ist die Siemensstadt, die im Bezirk Spandau zu finden ist.

Architektur des Neuen Bauens

Bis heute können Besucher in der Siemensstadt erkunden, wie die Architekten ihren Anspruch umgesetzt haben. Zwischen den Gebäuden liegen ausgedehnte Grünflächen. Menschen hatten und haben somit Platz, sich zu entfalten. Allein der Anblick gestaltet sich dadurch schon freundlich. Die Gebäude zeichnen sich durch ihre Nüchternheit aus: Verschnörkeltes sucht man vergebens. Viel wichtiger war den Architekten, die damit den eng mit der Neuen Sachlichkeit verknüpften Stil des Neuen Bauens begründeten, auf die Lebensqualität der Bewohner zu achten. So waren die Wohnungen dank vieler und großer Fenster sehr hell und konnten gut durchlüftet werden. Zugleich fällt bei einem Besuch in der Siemensstadt neben dem nüchternen Stil die Einheitlichkeit der Gebäude auf. Diese haben einen sozialen und ökonomischen Hintergrund: Angesichts der großen Wohnungsnot versuchte man mit einer Rationalisierung des Bauens und bisher nicht eingesetzter Baustoffe schnell neue Wohnungen für Berlin fertigzustellen. Zugleich erhoben die Architekten die klaren Formen aber auch zum künstlerischen Ziel, mit dem sie sich von der bisherigen Bauweise absetzten.

Die Siemensstadt als Vorbild für heutige Herausforderungen

Aufgrund dieser epochalen Leistungen und der Bedeutung für die Architekturgeschichte entschied sich die UNESCO 2008, der Siemensstadt sowie den anderen fünf Siedlungen den Titel Weltkulturerbe zu verleihen. Sie stehen beispielhaft dafür, wie innovative Architekten auf neue Rahmenbedingungen reagieren und damit Maßstäbe setzen können. Der gesamte soziale Wohnungsbau bis weit zum Ende des Jahrhunderts orientierte sich am Neuen Bauen. In der Gegenwart stehen Bauvorhaben und Bauträger Berlin vor neuen Problematiken, wie dem enormen Verkehr oder der älter werdenden Bevölkerung. Sie sind gefordert, neue Lösungen dafür zu finden.

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