Historischer Schlachthof Prenzlau in der Uckermark Land Brandenburg

Schlachtbetrieb – Geschichte und Werdegang

Das Schlachthaus – Der Anfang

Die Vorarbeiten zur Errichtung vom Schlachthaus in Prenzlau begannen bereits im Jahre 1886. Die neuen vorherrschenden preußischen Gesetze vom 18. März 1868 und 9. März 1891 bildeten Grundlage und die Möglichkeit zur Errichtung eines Schlachthauses. Auch wurde damit die Schlachtviehbeschau und Fleischbeschau bei allen im öffentlichen Schlachthaus zu schlachtenden Tiere eingeführt. Die Schlachthof-Gemeinden erhielten auf Grundlage dieser preußischen Gesetze auch folgende Anordnungs-Berechtigungen:

Preußische Gesetze – Anordnungs-Berechtigungen

1. Alle Schlachtungen innerhalb des Gemeindebezirkes durften ausschließlich nur im öffentlichen Schlachthaus erfolgen.
2. Vor und nach der Schlachtung musste eine Untersuchung des Schlachtvieh stattfinden.
3. Importiertes und von Orten außerhalb der Schlachthofgemeinde eingeführtes Frischfleisch musste vor dem Feilbieten und Verkauf in der Schlachthofgemeinde im öffentlichen Schlachthaus untersucht werden.
4. Im Gemeindebezirk des Schlächtergewerbes und bei den mit Frischfleisch Handel betreibenden Personen innerhalb des Gemeindebezirkes durfte kein Fleisch von Schlachttieren feilgeboten und mit Frischfleisch gehandelt werden, wenn das Schlachtvieh nicht im städtischen Schlachthaus geschlachtet worden war.

Mit diesen Anordnungen innerhalb der Schlachthofgemeinde und durch die Errichtung eines städtischen Schlachthauses sollte sichergestellt werden, dass die Einwohner der Stadt, durch die stattfindenden Untersuchungen der Schlachttiere im öffentlichem Schlachthaus, nur mit einwandfreier Fleischnahrung versorgt werden. Auch sollte der Geruchsbelästigung privater Schlachtstätten Einhalt geboten werden.

Schlachthof Baubeschluss, Schlachthaus Baubeginn und Eröffnung

Alle Vorarbeiten und Planungen zur Errichtung eines Schlachthauses, welche 1886 begonnen hatten, waren Ende 1887 soweit fortgeschritten, dass die städtischen Körperschaften den Bau des Schlachthofes im Dezember 1887 beschlossen. Der Magistrat der Stadt Prenzlau beschloss am 10. Januar 1888 den Beginn und die Ausführung des Bauvorhabens nach den von der Schlachtkommission und der Baudeputation vorgelegten Bauplanes. Am 25. Januar 1888 stimmte auch die Stadtverordnetenversammlung diesem Beschluss zu.

Die Baumaßnahmen zur Errichtung des Schlachthofes in Prenzlau, der Hauptstadt der Uckermark, wurden mit Hochdruck in Angriff genommen, so dass bereits schon am 25. September 1889 die Rohbauabnahme der Gebäude und Entwässerungsanlage durch die Polizei-Verwaltung erfolgen konnte. Die Eröffnung des Schlachthaus Prenzlau fand am 25. November 1889 statt.

Struktur des Schlachthofgeländes

Der Schlachthof Prenzlau in der Uckermark im Land Brandenburg umfasste auf seinem gesamten Schlachthof-Gelände ein Beamtenwohnhaus, welches auch als Verwaltungsgebäude diente, zwei Schlachthallen, wovon eine die Schweine-Schlachthalle und die andere die Rinder-Schlachthalle war und einem Brühhaus. Beide Schlachthallen waren mittels eines Zwischengebäude miteinander verbunden. In diesem Zwischengebäude befand sich die Darmwäsche. Die damaligen Kosten für den Erbau des Schlachthofes beliefen sich auf 177000 Mk (Mark – Goldmark).

Umbau und Ausbau im Wandel der Zeit

Die Schlachtanlage wurde im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut und verbessert. Es entstand ein Kesselhaus und 1911 ein Kühlhaus mit einer Kühlhalle, in dem sich ein Vorkühlraum und 21 Kühlzellen befanden. Die Kosten für die Errichtung der Kühlanlage beliefen sich auf stattliche 75000 Mk (Mark – Goldmark). Aber so war die Gewährleistung zur Frischhaltung des Fleisches für die mit Frischfleisch-Gewerbetreibenden über einen längeren Zeitraum gesichert.

In Folge des 1. Weltkrieges und durch die darauf folgende Notzeit hatte der Schlachthof inklusive aller Gebäude und deren Einrichtung auf dem gesamten Schlachthofgelände sehr gelitten. Durch die steigende Einwohnerzahl erhöhte sich der Versorgungs-Bedarf an Frischfleisch und im Zuge dessen die Anzahl der täglichen Schlachtungen. Das machte eine Erweiterung, Verbesserung und ein Ausbau der Schlachthofanlagen und deren Innenausstattung unumgehbar. Und so wurden in den Jahren von 1926 bis 1928 wesentliche Erweiterungsbauten und Verbesserungen der Inneneinrichtung vorgenommen. Den größten Teil der Erweiterung nahm die Schweineschlachthalle in Anspruch. Der Ausbau und Umbau des Gebäudes und der Schlachthalle kosteten in etwa 120000 RM (Reichsmark).

In den Jahren von 1926 bis 1930 betrug die durchschnittliche Anzahl der Schlachtungen jährlich 11279 Stück Schlachtvieh. Genauer gesagt wurden während dieser Zeit jährlich 7430 Schweine, 1010 Rinder, 1673 Kälber, 987 Schafe, 98 Ziegen und 81 Pferde im Schlachthof Prenzlau geschlachtet. Die ansteigende Anzahl der Schlachtungen führte zwangsläufig zum Fehlen von ausreichender Kühlkapazität. Im Jahre 1934 stellte die Stadtverwaltung 50000 RM (Reichsmark) für die Erweiterung der Kühlzelle und die Anschaffung einer neuen Kühlmaschine zur Verfügung. Mit der Errichtung der neuen leistungsfähigeren Kühlanlage entsprach der Schlachthof Prenzlau nach damaligen Anforderungen an derartige sanitäre Einrichtungen, den höchsten Standards von Schlachthofanlagen. Die täglichen Betriebszeiten der Kühlanlagen lagen im Durchschnitt bei 6 bis 8 Stunden, welche an Tagen mit starker Beschickung und sehr heißen Tagen durchaus auch mal 12 Stunden betragen konnten.

Schlachthof wird zum Volkseigentum

Der städtische Schlachthof Prenzlau wurde am 1. Januar 1953 in das Eigentum des Volkes überführt. Die Produktion stieg zwischen den fünfziger und sechziger Jahren weiter an, so dass weitere Umbauten, Ausbauten und Ausbesserungen notwendig wurden. Im Jahr 1965 erfolgte die Spezialisierung des Schlachthofes zum Schweineschlachtbetrieb nach neusten Technologien mit den entsprechenden Baumaßnahmen und Anschaffungen. Danach konnten weitere Steigerungen bei den Schlachtungen erzielt werden. Durch die im Jahr 1968 stattfindende Reorganisation des damaligen VEAB wurde auch der Lebendviehverkauf von Großvieh wie Rinder, Schweine und Schafe vom Schlachthof übernommen. Dafür wurde eine Abteilung Kooperation und Schlachtvieheinkauf für die Kreise Prenzlau und Templin ins Leben gerufen. Diese Abteilung sicherte die Erfüllung des Stattlichen Aufkommen an Lebendvieh, Rind und Schwein mittels Vertragsabschlüssen zwischen LPG, VEG und individuellen Tierhaltern. Mit der Erweiterung des Aufgabengebietes und der steigenden Anforderungen an den Schlachtbetrieb musste die Kühlkapazität  weiter ausgebaut werden. Es erfolgte der Bau eines Schnellabkühltunnels im. So konnte ein Gleichgewicht zwischen Stallkapazität, Schlachtkapazität und Kühlkapazität hergestellt werden. Auch war der Schlachthof durch die Inbetriebnahme des Schnellabkühltunnels am 15. September 1973  in der Lage Fleisch, Innereien und Fette mit einer Norm-gerechten, TGL-gerechten Kerntemperatur auszuliefern.

Neue Umbauten, Ausbauten in der Schlachthof-Struktur

Im Durchschnitt waren 160 Menschen für die Erfüllung der Produktionsanforderungen, Organisation des Lebendviehverkaufes in den Kreisen Prenzlau und Templin, sowie der notwendigen Aufgaben des Tierärztlichen Hygienedienstes, kurz THD, beschäftigt. Im Laufe der Jahre wurden fortlaufend weitere Umbauten und Erweiterungen des Schlachthofgeländes vorgenommen um die Produktivität und die Arbeitsbedingungen weiterhin zu verbessern. Es wurden bessere Waschmöglichkeiten und Duschgelegenheiten geschaffen. Das einstige Beamtenwohnhaus, in welchem sich auch die Verwaltungsräume befanden, wurde komplett zum Verwaltungsgebäude. Es entstanden LKW-Garagen für den Lebendvieh-Fuhrpark und die Auftriebshallen für Lebendvieh in Prenzlau und Templin wurden weiter komplettiert. Der Templiner Notschlachtungsbetrieb wurde am 1. Januar 1979 an den Schlachtbetrieb Prenzlau angegliedert, rekonstruiert und renoviert. Am 20. Mai 1980 wurde ein neues Sozialgebäude eingeweiht um den im Schlachthof und Schlachthaus arbeitenden Menschen noch bessere Arbeitsbedingungen zu bieten. In dem Sozialgebäude befanden sich neben Umkleideräumen, Duschräumen, eine Betriebskantine, ein Kulturraum, Büroräume und der Betriebsarzt-Stützpunkt.

1983 wurde ein neues Abwassersystem mit zwei neuen Fettabscheidern und einer abflusslose Grube zum Auffangen von Darmschleim gebaut. Dies geschah auch aus dem Anspruch dem Schutz der Umwelt gerecht zu werden bei den stetig wachsenden Anforderungen in der Produktion. Das neue Abwassersystem machte es möglich die Abwasserlast erheblich zu minimieren und die vorgeschriebenen Abwassergrenzwerte einzuhalten. In den Betriebsbereichen Betäubung, Blutentzug und im Brühkessel Bereich wurde auch Erneuerungen durchgeführt. Dies geschah immer etappenweise, angelehnt an die neusten Erkenntnisse in Wissenschaft und Technik, um stets auf dem neusten Stand in der Veterinärhygiene und dem Umweltschutz zu sein und diesem zu entsprechen.

Schlachthof – Ein Musterbetrieb der DDR der weit über Plan arbeitete

Im Jahr 1989 wurden auf Grund der gestiegenen Produktivität im Schlachthaus Prenzlau über 200000 Schweine geschlachtet. Damit galt die Planauflage der DDR nicht nur als geschafft sondern auch als überboten. Der Prenzlauer Schlachtbetrieb konnte somit auf eine 20-jährige Erfüllung der an ihn gestellten Anforderungen im Bereich „Schlachtung von Lebendvieh Schwein“ zurückblicken. Mittlerweile versorgte der Prenzlauer Schlachtbetrieb nicht mehr nur die Kreise Prenzlau und Templin mit Fleisch, sondern auch Vertriebspartner in den Bezirken Frankfurt an der Oder, Cottbus, und Dresden.

Die glorreichen Zeiten sind Geschichte

Jetzt schreiben wir das Jahr 2011 und von dem einstigen Musterbetrieb an Produktivität in der DDR ist kaum noch etwas übrig geblieben.

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