Leuchtturm Roter Sand

Maritime Architektur: der Leuchtturm Roter Sand

Die Außenweser bietet nicht nur prachtvolle Landschaften, sondern auch ein architektonisches Highlight: der Leuchtturm Roter Sand in der Nähe der Insel Wangerooge. Dieser Leuchtturm legt nicht nur Zeugnis von längst vergangenen Seemannszeiten ab, sondern ist auch ein eindrucksvolles Symbol deutscher Ingenieurskunst.

Leuchtturm Roter Sand: das bedeutendste deutsche Bauwerk auf See Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden Schiffe an der Außenweser mit sogenannten Feuerschiffen gelenkt, um Unfälle zu vermeiden. Um 1880 nahm der Schiffsverkehr aber stark zu, die eingesetzten Feuerschiffe stießen an ihre Kapazitätsgrenzen. Ein weiteres Schiff schien den Verantwortlichen zu teuer, deshalb gebar die Idee eines festen Leuchtturms. Wirtschaftlich war diese Entscheidung vernünftig, für die Ingenieure stellte sie aber eine enorme Herausforderung dar. Es gab weltweit kaum Erfahrungen mit Bauwerken, die auf offener See und zudem noch auf sandigem Untergrund gebaut werden mussten.

Faszinierende Ingenieurskunst im 19. Jahrhundert Das Problem des Bauens im Meer löste Hafenbaudirektor Carl Friedrich Hanckes, der sich für den Entwurf verantwortlich zeichnete, mit einem Caisson. Dies ist ein Senkkasten, welcher Unterwasserarbeiten ermöglicht. Er wird zu Land aus Beton geformt und dann per Schiff zum Bauort transportiert, wo er auf den Meeresgrund niedergelassen wird. Im Hohlraum wird nach und nach der Boden entfernt, sodass der Caisson immer weiter sinkt. Ist die gewünschte Tiefe erreicht, bildet der Senkkasten das zukünftige Fundament des Bauwerks. Beim Bau des Leuchtturms Roter Sand war diese Technologie erst wenige Jahre alt, Ingenieure und Bauarbeiter bewegten sich auf unbekanntem Terrain. Entsprechend groß waren die Komplikationen: Schon der Transport mit zwei Dampfschleppern verzögerte sich wegen eines Unfalls, später mussten die Arbeiten an Ort und Stelle unterbrochen werden, weil der Caisson in Schieflage geriet. Deswegen dauerte die Errichtung des am Ende über fünfzig Meter hohen Turms vier Jahre, erst 1885 konnte er feierlich in Betrieb genommen werden.

Die Nutzung des Leuchtturms bis heute Knapp achtzig Jahre verrichtete der Leuchtturm Roter Sand seinen Dienst. In den 1960ern musste er dann stillgelegt werden, da er statistische Mängel und hohen Sanierungsbedarf aufwies. Er stand sogar kurz vor dem Abriss, dank bürgerlichen Engagements blieb er jedoch als Denkmal erhalten und wurde mit enormen finanziellen Mitteln wieder hergerichtet. Heutzutage ist er mit seinem typisch rot-weißen Anstrich eine touristische Attraktion. Um ihn zu besuchen, müssen die angebotenen Schiffsausflüge genutzt werden.

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